So findest du den perfekten Mitgründer für dein Start-up
Oft ist die Wahl des Mitgründers wichtiger als die Geschäftsidee selbst. Obwohl viele Gründer bei der Auswahl ihres Gründungspartners ähnlich wie bei der Rekrutierung von Mitarbeitern vorgehen und Lebensläufe sowie fachliche Qualifikationen prüfen, ist die entscheidende Frage: Mit wem bin ich bereit, die schwierigsten Phasen im Berufsleben gemeinsam zu durchstehen?
Was macht einen komplementären Mitgründer aus?
Wenn unterschiedliche Fähigkeiten zusammenkommen und alle Mitgründer die gleiche Auffassung von Engagement teilen, entsteht ein effektives Gründungsteam mit komplementären Fähigkeiten. Der optimale Co-Founder-Check kann drei Dimensionen beinhalten:
- Eskalationsverhalten: Wie reagiert die Person unter Druck? Wird sie konstruktiv oder destruktiv?
- Runway: Wie lange kann die Person ohne Gehalt auskommen?
- Opportunitätskosten: Was ist der potenzielle Mitgründer bereit aufzugeben?
Außerdem sollten die grundlegenden Vorstellungen übereinstimmen. Dazu gehören die Strategie zur Gründung (Exit nach drei Jahren oder langfristiger Planungshorizont?), das Wertesystem (Work-Life-Balance vs. 24/7-Arbeit) und die Führungskultur (hierarchisch oder partizipativ). Gleichzeitig sind komplementäre Persönlichkeitsmerkmale von entscheidender Bedeutung: Eine Mischung aus extrovertierten und introvertierten, analytischen und intuitiven sowie planvollen und offenen Eigenschaften sorgt für ein ausgewogenes Team.
Erfolgreiche Co-Founder-Duos und was sie verbindet
Steve Jobs und Steve Wozniak von Apple sind ein klassisches Beispiel für komplementäre Fähigkeiten. Wozniak war der technische Meister. Jobs hingegen erkannte das Geschäftspotenzial und dachte darüber nach, wie man ein Unternehmen aufbaut und die Welt verändert.
Ein weiteres Beispiel sind Ben Cohen und Jerry Greenfield, die als Kindheitsfreunde eine gemeinsame Leidenschaft für Essen und den Wunsch hatten, mehr als nur Profit zu machen. Sie gründeten gemeinsam das Unternehmen Ben & Jerry’s.
Larry Page und Sergey Brin lernten sich an der Stanford University kennen. Sie verband eine gemeinsame Leidenschaft für die Verbesserung der Websuche sowie die Idee, mithilfe neuer Suchalgorithmen Informationen effizienter auffindbar zu machen. Außerdem hatten sie eine ähnliche Vorstellung davon, wie ihr Unternehmen wachsen sollte.
Effektive Wege, einen Co-Founder zu finden
Je gezielter die Suche ist, desto besser sind die Chancen, einen passenden Mitgründer für ein Start-up zu finden. In der Praxis haben sich drei Kanäle als nützlich herausgestellt:
Persönliche Begegnungen auf Events
Start-up-Events, Meetups und Hackathons bieten die Möglichkeit, potenzielle Mitgründer im direkten Kontakt kennenzulernen. Formate wie Start-up Weekends, Hackathons oder Bits & Pretzels in München bringen Investoren, Gründer und unternehmerisch Interessierte zusammen.
Auch IHK-Gründungsstammtische, Uni-Formate wie das WHU IdeaLab!, Pitch-Nights, Meetups und Coworking-Events sind wertvolle Anlaufstellen. Selbst Coworking-Spaces werden oft unterschätzt. Wer täglich im selben Raum arbeitet, lernt sich mit der Zeit besser kennen.
Digitale Plattformen
Eine Online-Plattformen für Mitgründersuche wie cofound.to kann dir dabei helfen, Co-Founder mit passenden Fähigkeiten zu finden.
Das bestehende, eigene Netzwerk
Auch Freunde, ehemalige Kollegen, Kommilitonen oder Familienmitglieder können ein guter Ausgangspunkt sein. Der große Vorteil ist, dass bereits Vertrauen besteht. Allerdings sollte man sich nicht auf Bequemlichkeit verlassen, denn der beste Freund ist nicht automatisch auch der beste Geschäftspartner. Wenn das Unternehmen scheitert, ist es in der Regel auch mit der Freundschaft vorbei.
Den potenziellen Mitgründer in einem Probesprint testen
Bevor die gemeinsame Gründung erfolgt, sollte ein Probelauf initiiert werden. Dabei wird innerhalb einer festgelegten Frist ein echtes, kleines Problem gelöst. Währenddessen kann man beobachten, wie der potenzielle Mitgründer auf Stress, Frustration und unerwartete Herausforderungen reagiert. Am Ende kann die einfache Frage „Möchte ich mit dieser Person ein Wochenende ohne Internet verbringen?” dabei helfen, herauszufinden, ob es passt.
Die richtige Equity-Struktur
Eine gleichmäßige Verteilung der Unternehmensanteile erscheint zwar gerecht, birgt aber operationale Risiken, weil sie zu Stillständen (Deadlocks) führen kann. Besser sind dynamische Equity-Modelle mit einem klaren Vesting-Plan, der die Anteile im Laufe der Zeit abbildet, anstatt solche, die die Erwartungen zum Gründungszeitpunkt berücksichtigen.
Der branchenübliche Standard sieht ein Vesting über vier Jahre mit einem einjährigen Cliff vor (in den ersten zwölf Monaten gibt es keine Anteile). Dadurch wird verhindert, dass eine Seite vorzeitig aussteigt. Darüber hinaus ist es wichtig, eindeutige Bestimmungen für den Fall zu vereinbaren, dass ein Gründer das Unternehmen verlässt, unabhängig davon, ob dies freiwillig oder unter Zwang geschieht. Es wird empfohlen, sich diesbezüglich rechtlich von einem spezialisierten Anwalt beraten zu lassen.
Fazit
Mit dem richtigen Mitgründer teilst du Erfolge, überwindest Rückschläge und gründest im besten Fall ein erfolgreiches Start-up. Passende Gründer findest du unter anderem auf spezialisierten Online-Plattformen wie cofound.to, auf Events oder im eigenen Netzwerk. Bevor man den Gang zum Notar antritt, empfiehlt es sich, die Zusammenarbeit zu testen.


